Die Gründung des Vereins


Nach bekannt werden, der plötzlich, kurzfristigen Abbestellung von 13 Bahnstrecken im Juli 2002 durch die Landesregierung von Sachsen Anhalt in Magdeburg, ohne das dieses im Vorfeld mit den betroffenen Kommunen abgestimmt wurde, aber besonders auch ohne die Pendler darauf vorzubereiten und ohne ihnen Zeit zu geben, um nach anderen Möglichkeiten zum Erhalt für ihre Mobilität zu geben. Besonders betroffen sind die Zentren Beetzendorf und Klötze an der Strecke Salzwedel - Oebisfelde sowie der Luftkurort Arendsee an der Strecke Salzwedel - Wittenberge.

Das Ökodorf Poppau, welches sich gerade wegen der günstigen Bahnanbindung (Haltepunkt Bandau) in der Altmark ansiedelte, ist besonders stark von der Abbestellung betroffen, da die Gäste zur An- und Abreise fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel bemutzen. Der Luftkurort Arendsee, als Perle der Altmark mit seinen Kindererholungszentrum (Kiez) sowie die Mutter - Kind Klinik waren ebenso betroffen da die Gäste zum überwiegenden Teil mit der Bahn anreisten. Neben den umständlichen Umsteigen in Wittenberge auf den Bus, müssen sienun auch noch schlechtere Anschlüsse und längere Reisenzeiten in Kauf nehmen. Aber auch der touristische Aspekt leidet unter der fehlenden Bahnverbindung. Für den Drömling bei Kunrau (an der Strecke Salzwedel - Oebisfelde gelegen) und für den Luftkurort Arendsee (an der Strecke Salzwedel - Wittenberge gelegen), mit dem gerade in den letzten Jahren boomenden Fahrradtourismus, als wichtige Einnahmequelle für die Altmark, nimmt einen permanenten Schaden.

Die betroffenen Fahrgäste, Eisenbahner unter Beteiligung zum Teil auch von Kommunalpolitiker dieser Strecken gründeten im Juli 2002 eine Bürgerinitiative unter dem Namen, das Bündnis "Die Bahn Bleibt" (seit 29.01.2003 als e.V. beim Amtsgericht Salzwedel eingetragen), um so die Bedeutung einer Abbestellung der Bahnlinien in der Altmark, für deren Bewohner und Touristen, gegenüber den verantwortlichen Politikern auf Kommunaler sowie auf Länderebene zu verdeutlichen und ein Überdenken der Sparpolitik zu erwirken. Wir zeigten auch Möglichkeiten auf, die Strecken in der Altmark wirtschaftlicher und attraktiver zu gestalten. Dazu entwickelten wir Eigens für die beiden Strecken ein Konzept, welches an NASA, Land und Kommune verschickt wurde.

Das Fazit der Streckenabbestellungen:

Das Land als finanzieller Auftraggeber für den SPNV, verlagert aus Spargründen seine Verantwortlichkeit für den ÖPNV dadurch nur nach unten, auf die finanziell, schwächere, kommunaler Ebene, welches zu drastischen Einschnitten in den ÖPNV auf Dauer in der Region führen muß und damit ein weiteres absinken der Fahrgastzahlen zur Folge hat, durch erzwungenes Umsteigen der Nutzer von noch öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Individualverkehr. Damit ist dann ein weiteres Ansteigen des Defizit im ÖPNV gerade auf kommunaler Ebene zu erwarten.

Das Land begründet die Abbestellung mit den Argumenten. "Zu wenig Fahrgäste, daher ist ein Zugverkehr gegenüber dem Steuerzahler nicht weiter vertretbar". Nur die Frage, wer ist Schuld an dieser Misere? Dieses liegt an dem sträflichen Vernachlässigungen am fehlenden Ausbaus der Infrastruktur von 50 km/h auf 80 km/h in den letzten Jahren, durch die DB-AG. Obwohl dieses schon seit Jahren, in dem Regionalentwicklungsplan (REP) sowie auch im Landesentwicklungsplan (LEP) verankert und festgeschrieben war und ist. Aber auch der fehlende Einsatz moderner Fahrzeuge auf diesen Strecken trug nicht gerade zur Attraktivitätssteigerung bei. Beide Strecken (Salzwedel - Wittenberge und Salzwedel - Oebisfelde) würden durch kürzere Fahrzeiten und besseren Anschlüssen, auch durch mehr durchreisende Fahrgäste profitieren. Es handelt sich hier nicht um Stichbahnent, sondern an den jeweiligen Endbahnhöfen besteht eine Anbindung an den Fern- und Nahverkehrt. Fehlende Schnittstellen und abgestimmte Fahrpläne zwischen Bahn und Busse verstärkten noch die Dramatik.

Erfolge des Vereins

Einzigartig dürfte der durch das Bündnis "Die Bahn Bleibt" gemeinsam mit der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) am 13. September 2002 von Arendsee über Salzwedel und Beetzendorf nach Klötze gefahrene Demosonderzug gegen die Streckenabbestellung in Deutschland sein. Durch die massiven Proteste, beonders aus der Bevölkerung, der Stadt Arendsee und den Bahnkunden, im Jahr 2002 erhielt die Strecke Salzwedel - Wittenberge über ein Bahn / Bus Pilotprojekt des Landes eine Schonfrist, bis Ende 2004.

Pilotprojekt Bahn / Bus für die Strecke Salzwedel - Wittenberge

Angedacht war durch den Verkehrsminister von Sachsen Anhalt, Herrn Daehre, dass Busse und Züge abwechselnd je nach Fahrgastaufkommen verkehren sollten. Aber es kam anders. Es wurde am Ende nur ein Wochenendbetrieb der Bahn. Werktags von Montag bis Freitag übernahmen Busse die Zugleistungen. Daher verkehrten an Wochenenden und Feiertags ab 29.September 2002 bis 11.Dezember 2004 noch die Züge im zwei Stundentakt. Der Verkehrsminister betonte bei der Verkündung des gekürzten Pilotprojektes, daß bei Steigerungen der Fahrgastzahlen, die Strecke auch nach einen Jahr weiter bestellt werde. Aber trotz gestiegener Fahrgastzahlen von über 200%, wurde die Strecke endgültig am 11. Dezember 2004 abbestellt. Gespannt warteten wir auf die Begründung der Landesregierung. Begründet wurde diese damit, daß die Fahrgastzahlen nicht signifikant gestiegen ist, nach Abzug der Reisenden welche nur mit Wochenendticket und überregional die Strecke nutzten, heraus gerechnet wurden.Verblüfft waren wir, über die neuen Zählmethoden der Landesregierung. Daran kann man aber auch erkennen, das die Abbestellung nicht nur aus wirtschaftlichen Aspekten erfolgte, sondern politisch erzwungen wurde. Denn auch den Aspekt, knapper Kassen kann man nicht gelten lassen, denn wäre dieses der Fall, würde eine an den Bedarf vorbei geplante A14 nicht gebaut werden.

Deutsche Regionaleisenbahn jetzt neuer Eigentümer der Bahnstrecken

Wir als Verein "Die Bahn Bleibt" haben die gewonnene Zeit genutzt, um nach einen privaten Infrastrukturunternehmen zu suchen und für die Strecken in der Altmark zu interessieren. Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) tritt jetzt nach Übernahme der Bahnstrecken Salzwedel - Oebisfelde und Salzwedel - Geestgottberg von der DB-AG, als privater Infrastrukturbetreiber ein. Die DRE strebt auch wieder einen Zugverkehr auf den Strecken an. Erste Güterverkehrskunden haben schon ihr Interesse bekundet. Auch für die Dampflokfreunde Salzwedel bieten sich wieder neue Chancen, zum Einsatz Ihres historischen Fahrzeugpark vor Sonderzügen auf den Heimatstrecken in der Altmark. Etabliert soll aber auch ein touristischer Ausflugsverkehr in der Region. Angestrebt wird aber auch in der Sparte, Schülerverkehr Leistungen zu erbringen.

Die DRE ist auch Eigentümerr der Infrastruktur der Bahnstrecke im Wendland von Lüchow nach Dannenberg Ost. Im Jahr 2005 fuhren dort erstmals seit 1974 wieder Reisezüge. Die für August 2006 geplante Aufnahme des Wochenendzugverkehrs auf dieser Strecke, wird sich wegen Brückensanierungsarbeiten in Dannenberg verschieben. Geplant ist in diesen Jahr auch die Verlängerung bis Wustrow. Angestrebt wird von der DRE, Kommunaller Träger des Landkreises Lüchow-Dannenberg auch ein Lückenschluß von Salzwedel nach Wustrow, damit wird die 1945 durch teilungsbedingte Stilllegung zwischen Ost- und Westdeutschland aufgehoben und es wächst wieder ein Teil Deutschland zusammen, was zusammen gehört.

Nach Planungen der Deutschen Regionaleisenbahn sowie die unterstützenden Vereine "Fahrgast-Rat Wendland","Kleinbahn Kalbe (Milde)" und "Die Bahn Bleibt" (alle drei Vereine, sind Mitglied im Regionalverband Altmark-Wendland-Westprignitz des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV), soll Salzwedel Sitz des Drehkreuzes der Bahnstrecken der Deutschen Regionaleisenbahn werden.